Ratgeber · Materialien
Rattan, Bambus, Ata und andere Flechtfasern aus Indonesien im Vergleich
25. August 2026 · 8 Min. Lesezeit
Flechtfasern aus Indonesien sind eine Gruppe pflanzlicher Rohstoffe, aus denen seit Generationen Körbe, Möbel, Lampen und Matten geflochten werden: Rattan (der Stamm einer Kletterpalme), Bambus (ein riesiges Gras), Ata (ein Kletterfarn aus Bali), Wasserhyazinthe, Pandan- und Lontarblätter, Raffia und das sogenannte Seegras. Sie unterscheiden sich in Festigkeit, Biegsamkeit, Farbe und darin, wie sie die trockene Luft europäischer Wohnungen vertragen. Deshalb werden aus Rattan Sessel, aus Ata Körbe für Jahrzehnte und aus Wasserhyazinthe weiche Poufs.
In diesem Text stellen wir jede dieser Fasern vor: von welcher Pflanze sie stammt, wo sie wächst und wie sie verarbeitet wird. Wir stellen sie in einer Tabelle gegenüber und erklären, wie man Flechtwerk im Winter in einer beheizten Wohnung pflegt, ob Rattan auf der Terrasse stehen darf, wie man Naturfaser von einer Plastikimitation unterscheidet und warum Flechtwerk als nachhaltiges Material gilt.
Aus welchen Pflanzen entsteht Flechtwerk aus Indonesien?
Rattan (Calamus): eine Liane aus den Wäldern von Kalimantan und Sulawesi
Rattan ist kein Baum, sondern eine Kletterpalme der Gattung Calamus, die sich Dutzende Meter an den Bäumen des Regenwalds emporrankt. Indonesien ist der größte Rattanproduzent der Welt; der Rohstoff stammt vor allem aus Kalimantan (dem indonesischen Teil Borneos), Sulawesi und Sumatra und wird überwiegend auf Java verarbeitet. Anders als Bambus ist der Rattanstamm innen massiv, weshalb er Biegung und Belastung so gut verträgt. Nach dem Schnitt werden die Ranken von ihren dornigen Scheiden befreit, getrocknet und traditionell in Öl gekocht, um Säfte zu entfernen und sie vor Pilzbefall zu schützen. Verarbeitet werden zwei Teile: die glatte, glänzende Schale, in schmale Bänder zum Flechten und Binden geschnitten, und der Kern, zu Stäben und runden Ruten geschnitten. Dicke Stämme werden mit Wasserdampf gebogen, daher die typischen Bögen von Rattansesseln.
Bambus: ein Gras, das schneller wächst als ein Baum
Botanisch ist Bambus ein Gras: Er hat einen innen hohlen, durch Knoten gegliederten Halm und wächst erstaunlich schnell. Die größten Arten legen mehrere Dezimeter pro Tag zu, und ein reifer Halm wird nach drei bis fünf Jahren geschnitten. In Indonesien verwendet man den dicken Petung (Dendrocalamus asper) für Konstruktionen und Möbel, den dünneren Tali (Gigantochloa apus) für Flechtwerk und schwarzen Bambus für Dekoration. Die Halme werden in Leisten gespalten, flachgedrückt und zu Wänden, Matten und Körben geflochten; über dem Feuer erwärmt lassen sie sich in Bögen biegen. Frischen Bambus lieben Holzbohrkäfer, deshalb legen gute Werkstätten ihn in Boraxlösung ein oder trocknen und räuchern ihn, bevor die Arbeit beginnt.
Ata: der Farn aus Tenganan, im Rauch gehärtet
Ata (Lygodium circinnatum) ist ein Kletterfarn, der an den Waldrändern Ostbalis wächst. Aus seinen langen, biegsamen Ranken flechten die Menschen im Dorf Tenganan und in der Umgebung von Karangasem dichte, harte Körbe, Tabletts und Taschen. Das Flechten eines einzigen Korbs dauert viele Tage, und das fertige Stück wird anschließend über dem Rauch von Kokosschalen geräuchert. Das gibt ihm die honigbraune Farbe, einen leichten, süßlichen Duft und eine natürliche Beständigkeit gegen Insekten und Feuchtigkeit. Mehr über diese Technik steht in unserem Text über im Rauch gehärtete Ata-Körbe.
Wasserhyazinthe: ein Unkraut, das zum Material wurde
Die Wasserhyazinthe (eceng gondok, Eichhornia crassipes) ist eine aus Südamerika eingeführte Schwimmpflanze, die auf Java Seen, Kanäle und Stauseen überwuchert. Handwerker haben die Plage zum Rohstoff gemacht: Die Stängel werden mehrere Wochen an der Sonne getrocknet, zu Schnur oder Zopf gedreht und über Rahmen aus Rattan oder Holz geflochten. Die Faser ist weich, matt und warm in der Hand, nimmt aber Feuchtigkeit auf und ist weniger belastbar als Rattan: gut für Poufs, Wäschekörbe und Aufbewahrung, nicht für einen Stuhl, auf dem man täglich sitzt.
Pandan, Lontar, Raffia und Seegras: Fasern aus Blättern
Pandanblätter (Pandanus) werden nach dem Entfernen der dornigen Ränder gekocht, getrocknet und in schmale Streifen geschnitten, aus denen seit Jahrhunderten Matten, Hüte und Taschen entstehen. Lontar (Borassus flabellifer) ist die Palme des trockeneren Ostbali, Lomboks und der Kleinen Sundainseln; auf ihre Blätter wurden die alten balinesischen Texte geritzt, und heute werden daraus Schachteln, Fächer und kleine Körbe geflochten. Raffia ist die Faser, die von den jungen Blättern der Raphia-Palmen abgezogen wird; sie stammt vor allem aus Madagaskar und Afrika und ist in Indonesien eher eine Zutat für Bindungen und Abschlüsse. Seegras ist im Handel meist ein Sauergras aus Küsten- und Süßwassersümpfen, etwa Purun (Lepironia articulata) aus Kalimantan und Sumatra: eine glatte, leicht glänzende Faser für Matten und Körbe.
Die Fasern im Vergleich: Pflanze, Haltbarkeit, Eigenschaften, Pflege
| Faser | Pflanze | Haltbarkeit | Eigenschaften | Pflege |
|---|---|---|---|---|
| Rattan | Kletterpalme Calamus; Kalimantan, Sulawesi, Sumatra | hoch; Möbel für Jahrzehnte | massiver Stamm, dampfgebogen; glänzende Schale, matter Kern | abstauben, feuchtes Tuch; Luftfeuchte 40–60 %; nur innen |
| Bambus | Gras (Dendrocalamus, Gigantochloa) | hoch bei guter Behandlung | leicht, hohl, mit Knoten, steif | trocken, fern von Heizkörpern; nach Käferschutz fragen |
| Ata | Farn Lygodium circinnatum; Ostbali | sehr hoch; Körbe halten Jahrzehnte | dichtes, hartes Geflecht; geräuchert, honigfarben | abstauben, selten feuchtes Tuch; nie einweichen |
| Wasserhyazinthe | Eichhornia crassipes; Seen und Kanäle Javas | mittel | weich, matt, warm; nimmt Feuchtigkeit auf | nur trockene Innenräume; weiche Bürste; keine schweren Lasten |
| Pandan / Lontar | Blätter von Pandan und Lontarpalme | mittel | dünne, biegsame Streifen; Matten, Schachteln, Hüte | trocken, keine pralle Sonne; Matten regelmäßig lüften |
| Seegras (Purun) | Sauergräser der Sümpfe; Kalimantan, Sumatra | mittel | glatte, leicht glänzende Faser; raschelt leicht | wie oben; nicht auf den Balkon |
| Raffia | junge Blätter der Raphia-Palme (Import) | niedrig bis mittel | weich, bandartig, leicht färbbar | Dekoration und Bindungen; vor Feuchtigkeit schützen |
Wie pflegt man Flechtwerk in einer europäischen Wohnung?
Pflanzenfasern sind wie Holz hygroskopisch: Im Winter geben sie in der beheizten Wohnung Feuchtigkeit ab, schrumpfen und werden spröde. Auf Bali lebt Flechtwerk in Luft mit 70–85 Prozent Feuchte; ein mitteleuropäisches Wohnzimmer liegt im Januar oft bei 20–30. Einige Regeln genügen:
- Befeuchten Sie die Luft im Winter. Bei 40–60 Prozent Luftfeuchte bleiben Rattan und Bambus biegsam. Alle paar Wochen können Sie das Geflecht leicht mit der Sprühflasche benetzen (nicht durchnässen) und fern von Wärme trocknen lassen.
- Nicht am Heizkörper, nicht am Kamin, nicht in praller Sonne. Wärme trocknet die Faser aus, UV-Licht bleicht und schwächt sie; ein halber Meter Abstand zum Heizkörper ist das Minimum.
- Regelmäßig abstauben. Eine weiche Bürste oder der Staubsauger mit Bürstenaufsatz holt Staub aus dem Geflecht.
- Flecken sofort behandeln. Feuchtes Tuch mit milder Seife, dann ein trockenes; einen Korb nie in Wasser tauchen und nie auf dem Heizkörper trocknen. Schimmelspuren gehen mit einem Tuch mit Wasser und etwas Essig ab, danach gründlich lüften.
- Knarrendes, stumpfes Rattan belebt alle ein bis zwei Jahre eine dünne Schicht Leinöl; den Überschuss abnehmen. Ata, Wasserhyazinthe und Pandan nicht ölen.
Eignet sich Rattan für draußen?
Naturrattan nicht. Regen und Tau, die in die Faser ziehen, führen zu Schimmel und Vergrauen, die Sonne trocknet sie aus und bricht sie, und der Frost vollendet das Werk. Dasselbe gilt für Wasserhyazinthe, Ata, Pandan und Seegras. Für einen europäischen Balkon eignen sich synthetisches Rattan, also Polyethylenbänder auf einem Aluminiumrahmen, oder Teak, das wir im Text über Teakmöbel für Bad und Garten beschreiben. Die Ausnahme ist eine überdachte Loggia oder ein Wintergarten, wo Naturrattan den Sommer verbringen kann, wenn es bei Regen und im Winter ins Haus zurückkehrt.
Wie unterscheidet man Naturrattan von synthetischem?
Synthetisches Rattan ist kein Betrug; es ist ein gutes Gartenmaterial. Das Problem beginnt, wenn es als Handwerk verkauft wird. Fünf Prüfungen, die im Geschäft genügen:
- 1.Farbe und Wiederholung. Die Natur hat Schattierungen, dunklere Flecken und kleine Unterschiede in der Dicke; ein Kunststoffband ist auf ganzer Länge identisch.
- 2.Knoten und Querschnitt. Am Stamm von Naturrattan zeigt alle paar Dezimeter ein hellerer Ring den Knoten, und ein abgeschnittenes Ende hat eine faserige, schwammige Struktur. Kunststoff hat einen glatten, einheitlichen Querschnitt.
- 3.Griff und Temperatur. Pflanzengeflecht ist warm und leicht rau, Kunststoff kühl und glatt.
- 4.Geruch. Naturfaser, vor allem geräucherte Ata, riecht nach Gras und Rauch; Plastik riecht nach nichts oder nach Chemie.
- 5.Der Rahmen. Synthetisches Rattan umflicht fast immer Aluminium; Naturrattan gebogenes Rattan oder Holz. Klopfen und anheben.
Weitere Warnzeichen finden Sie in unserem Text darüber, wie man Handwerk aus Bali von einer Fälschung unterscheidet.
Warum gilt Flechtwerk als nachhaltiges Material?
- Rattan wächst nur im lebenden Wald. Es rankt an Bäumen empor, sodass seine Ernte den Gemeinden vor Ort einen Grund gibt, den Wald nicht zu roden; die Ranken wachsen in wenigen Jahren nach.
- Bambus reift in drei bis fünf Jahren und treibt nach dem Schnitt ohne Neupflanzung aus dem Rhizom nach.
- Die Wasserhyazinthe ist eine invasive Pflanze; jeder Korb ist Grünmasse, die aus einem zugewucherten See entfernt wurde.
- Ata, Pandan, Lontar und Purun werden von wild wachsenden Pflanzen oder aus Hausgärten gesammelt, ohne Plantagen und Dünger.
- Alles ist biologisch abbaubar und von Hand geflochten, mit minimalem Energieeinsatz.
Nachhaltigkeit ist allerdings kein Automatismus. Wildes Rattan wird mitunter zu intensiv geerntet, und manche Werkstätten bleichen die Faser mit Schwefel. Deshalb fragen wir Lieferanten nach der Herkunft des Rohstoffs und der Art der Behandlung und schätzen natürlich geräucherte oder pflanzlich gefärbte Faser höher als gebleichte.
Was das für die Dinge in Ihrem Zuhause bedeutet
Als wir im August 2026 auf Bali Ata-Körbe und Rattanschirme in die Hand nahmen, blieb uns im Gedächtnis, wie unterschiedlich diese Dinge in der Hand liegen: Ata ist hart und kühl wie Holz, Wasserhyazinthe weich wie Wolle, Rattan federt. Bei unserem Flechtwerk und unseren Lampen aus Naturfasern nennen wir die Faser, denn von ihr hängt ab, ob ein Stück Gewicht trägt, wie seine Farbe altert und ob es einen trockenen Winter übersteht. Jedes Ding hat ein Gesicht, und bei Flechtwerk sieht man es in jedem Strang.
Häufige Fragen
- Ist Rattan dasselbe wie Korbweide?
- Nein. Korbwaren oder Wicker bezeichnen eine Flechttechnik mit biegsamen Ruten, keine Pflanze: In Europa flicht man sie aus Weide, in Asien aus Rattankern. Rattan ist eine bestimmte Kletterpalme der Gattung Calamus, aus der sowohl die Ruten für Korbwaren als auch die gebogenen Rahmen von Möbeln entstehen.
- Wie pflegt man Rattanmöbel im Winter, damit sie nicht reißen?
- Halten Sie die Luftfeuchte bei 40–60 Prozent, am besten mit einem Luftbefeuchter, und stellen Sie die Möbel mindestens einen halben Meter vom Heizkörper entfernt auf. Alle paar Wochen das Geflecht leicht mit der Sprühflasche benetzen und im Schatten trocknen lassen. Regelmäßig mit einer weichen Bürste abstauben und stumpfes Rattan alle ein bis zwei Jahre mit einer dünnen Schicht Öl auffrischen.
- Dürfen Möbel aus Naturrattan auf dem Balkon stehen?
- Nicht dauerhaft. Regen, Tau und Frost verursachen Schimmel, Vergrauen und gebrochene Fasern, und pralle Sonne trocknet sie aus. Für draußen eignen sich synthetisches Rattan aus Polyethylen oder Teak. Naturrattan kann den Sommer auf einer überdachten Loggia verbringen, wenn es bei Regen und im Winter ins Haus kommt.
- Wie erkennt man Naturrattan im Unterschied zu synthetischem?
- Naturrattan hat ungleichmäßige Farbtöne, hellere Knotenringe alle paar Dezimeter und einen faserigen Querschnitt; es ist warm in der Hand und riecht nach Pflanze. Synthetisches ist ein Kunststoffband: einheitlich, kühl, glatt und meist auf einen Aluminiumrahmen geflochten. Im Zweifel ein abgeschnittenes Ende der Faser ansehen.
- Was ist Ata und worin unterscheidet es sich von Rattan?
- Ata ist ein Kletterfarn (Lygodium circinnatum) aus Ostbali, aus dem in Tenganan dichte, harte Körbe geflochten und im Rauch von Kokosschalen gehärtet werden. Er ist dünner und steifer als Rattan, honigfarben mit leichtem Rauchduft, und ein fertiger Korb widersteht Insekten und hält Jahrzehnte. Rattan ist dicker, federnder und wird vor allem für Möbel verwendet.
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