Ubud4. Mai 202612 Min. Lesezeit
Hände, die sich erinnern
In einer Werkstatt vor Ubud dringt das Stecheisen ins Suar-Holz wie vor hundert Jahren — ohne Eile, entlang der Maserung. Pak Wayan misst nichts mit dem Lineal; die Form wohnt im Gedächtnis seiner Hände, weitergegeben von Vater und Großvater.
Pak Wayans Werkstatt liegt eine Viertelstunde vom Zentrum Ubuds entfernt, an einer Straße, die zum Feldweg wird. Kein Schild — man muss wissen, dass sie da ist. Man erkennt sie am Geruch: frisch geschnittenes Suar-Holz, warm und leicht süß, schon am Tor.
Suar ist der Regenbaum. Er wächst breit und langsam, und sein Stamm trägt Ringe, die Jahrzehnte zählen. Pak Wayan wählt Bretter, wie andere Obst wählen — mit den Fingern, gegen das Licht, in den Händen drehend. „Dieser Baum weiß schon, was er sein will“, sagt er. „Ich helfe ihm nur dabei.“
Das Stecheisen dringt ohne Zögern ins Holz. Es gibt keine technische Zeichnung und kein Lineal — die Form wohnt in den Händen, weitergegeben vom Vater und davor vom Großvater. Jeder Schlag des Klüpfels ist sicher, wenn auch scheinbar träge. Eine Stunde Arbeit sind ein paar Zentimeter. Eine ganze Tischplatte — viele Tage.
Als ich frage, warum er keine Maschinen benutzt, lächelt er. „Eine Maschine macht hundert gleiche. Ich mache eines, das es nur einmal gibt.“ In diesem Satz steckt die ganze Philosophie von Sari Bali — und der Grund, warum wir diese Stücke so weit tragen.
Ubud, Bali · 4. Mai 2026