Ratgeber · Handwerk & Interieur
Holzschnitzerei aus Mas — das Dorf, das Bali das Schnitzen lehrte
3. September 2026 · 6 Min. Lesezeit
Mas bedeutet „Gold". Das kleine Dorf gleich südlich von Ubud fördert jedoch kein Edelmetall — sein Gold ist seit Generationen das Holz und das, was die Hände der Einheimischen daraus hervorbringen. Seit den 1930er-Jahren ist Mas das Herz der balinesischen Schnitzkunst, der Punkt, an dem das Handwerk der Insel zur Kunst wurde.
Ein Dorf, in dem fast jedes Haus schnitzt
In Mas ist die Bildschnitzerei kein Beruf für wenige — sie ist das Gewebe des Dorfes. Fast jeder Hof ist mit ihr verbunden, das Können geht vom Vater auf den Sohn über. Internationalen Ruhm brachten dem Dorf die 1920er- und 1930er-Jahre, als sich europäische Künstler hier niederließen — Walter Spies und Rudolf Bonnet — und die lokalen Schöpfer förderten. So entstand die Bewegung, die die balinesische Kunst in die Welt trug.
Ida Bagus Tilem — der Meister, der Emotionen schnitzte
Aus Mas stammte einer der größten balinesischen Bildhauer — Ida Bagus Tilem (1936–1993), Sohn des ebenso geschätzten Ida Bagus Nyana. Tilem ging in die Geschichte ein als der Erste, der nicht gegen das natürlich gekrümmte, verwachsene Holz ankämpfte, sondern dessen Form nutzte, um menschliche Emotionen abstrakt zum Ausdruck zu bringen. Auf dem Höhepunkt seines Schaffens hatte er über hundert Schüler, und seine Skulptur vertrat Indonesien 1964 auf der Weltausstellung in New York.
Darin liegt eine wichtige Lektion über das Handwerk: Der Meister zwingt dem Holz keine Form auf, sondern hört, was das Holz werden will. Die Balinesen zählen dieses Gespür zum taksu — der spirituellen Energie, die der Schöpfer im Werk hinterlässt.
Das Holz macht den Unterschied
Nicht jedes Holz taugt für jede Skulptur. Die Schnitzer aus Mas greifen zu verschiedenen Arten, je nachdem, was entstehen soll:
- Nangka (Jackfruchtbaum) — die Balinesen halten es für das beste Schnitzholz; es hat einen warmen, goldenen Ton und dient traditionell für religiöse Figuren.
- Suar (Regenbaum) — dunkel, mit verschlungenen Fasern, die nicht reißen; daraus entstehen größere Formen und Statuen.
- Waru (Hibiskus) — weiß mit hellem Grau, ergibt die charakteristischen zweifarbigen Skulpturen.
- Albesia — weich und hell, meist für feinere Arbeiten verwendet.
Bevor der Schnitzer zum Beitel greift, beginnt er in der Regel mit einer Opfergabe und einem Gebet an Dewi Saraswati, die Göttin des Wissens und der Kunst. Denn im balinesischen Verständnis beginnt ein Werk nicht mit dem ersten Schnitt, sondern mit der Intention.
Häufige Fragen
- Aus welchem Holz entstehen balinesische Skulpturen?
- Meist aus nangka (Jackfruchtbaum, geschätzt für religiöse Figuren), suar (Regenbaum, für größere Formen), Hibiskus (zweifarbige Skulpturen) und der weichen Albesia. Die Holzwahl richtet sich nach dem, was entsteht.
- Wer war Ida Bagus Tilem?
- Einer der größten balinesischen Bildhauer (1936–1993), aus dem Dorf Mas. Er nutzte als Erster natürlich verwachsenes Holz, um Emotionen abstrakt auszudrücken. 1964 vertrat er Indonesien auf der Weltausstellung in New York.
- Warum ist das Dorf Mas für seine Schnitzkunst berühmt?
- Seit den 1930er-Jahren ist es das Zentrum der balinesischen Schnitzerei — fast jeder Hof schnitzt, und die Tradition geht von Generation zu Generation über. Die Unterstützung europäischer Künstler in den 1920er- und 1930er-Jahren brachte dem Dorf internationalen Ruhm.
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