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Ratgeber · Indonesien & Bali

Indonesien in Kürze: 17.000 Inseln, eine Idee

20. August 2026 · 9 Min. Lesezeit

Indonesien ist der größte Inselstaat der Welt: ein Archipel aus rund 17.000 Inseln, der sich entlang des Äquators zwischen dem Indischen und dem Pazifischen Ozean erstreckt. Mehr als 270 Millionen Menschen leben hier, damit ist Indonesien das viertbevölkerungsreichste Land der Erde und zugleich das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung überhaupt. Bali, die hinduistische Insel, von der unsere Objekte stammen, ist nur eine seiner Provinzen.

In diesem Artikel sammeln wir das Wichtigste an einem Ort: wie der Archipel aufgebaut ist und was seine großen Inseln unterscheidet, eine kurze Geschichte von Srivijaya bis zur Unabhängigkeit, wie ein Land mit mehreren hundert Sprachen eine gemeinsame spricht, wie sich die Religionen verteilen und warum Handwerk hier kein Souvenirgeschäft ist, sondern die Wirtschaft ganzer Dörfer.

Wie sieht der Archipel aus?

Indonesien erstreckt sich über mehr als 5.000 Kilometer von Ost nach West, etwa die Entfernung von Lissabon nach Moskau. Das Land umfasst drei Zeitzonen, liegt beiderseits des Äquators und auf dem Pazifischen Feuerring: Kein anderes Land hat mehr aktive Vulkane. Ihnen verdanken die Inseln die fruchtbaren Böden, auf denen Reis, Kaffee, Gewürznelken und die Bäume wachsen, aus denen Möbel entstehen.

Bewohnt sind nur einige tausend Inseln, doch eine Handvoll Regionen prägt das Gesicht des Landes:

Insel / RegionWissenswert
JavaDie bevölkerungsreichste Insel der Erde; Jakarta, Yogyakarta, Borobudur und Prambanan. Zentrum von Politik, Industrie und Batik.
SumatraSechstgrößte Insel der Welt; einst Herz von Srivijaya, heute Kaffee, Orang-Utans und die Kulturen der Minangkabau und Batak.
KalimantanDer indonesische Teil Borneos; Regenwald, große Flüsse, die Kultur der Dayak. Hier entsteht die neue Hauptstadt Nusantara.
SulawesiEine Insel in Orchideenform; die Toraja mit ihren Tongkonan-Häusern, die seefahrenden Bugis.
BaliDie einzige hinduistische Insel; Tempel, Reisterrassen und Handwerksdörfer. Über sie schreiben wir am meisten.
Nusa TenggaraEine Kette trockenerer Inseln östlich von Bali: Lombok, Sumba, Flores, Komodo; Ikat-Textilien und die berühmten Warane.
Molukken und PapuaDie einstigen Gewürzinseln (Muskat, Nelken) und das gebirgige Papua am östlichen Rand des Landes.

Geschichte in Kürze: von Srivijaya bis zum 17. August 1945

Seit Jahrtausenden lag der Archipel am Kreuzungspunkt der Seewege zwischen Indien und China. Aus diesem Handel wuchsen die ersten großen Reiche.

  • Srivijaya (ca. 7.–13. Jahrhundert): ein buddhistisches Seereich mit Zentrum auf Sumatra, das die Straße von Malakka und den Gewürzhandel kontrollierte.
  • Die Königreiche Javas: Im 9. Jahrhundert entstanden Borobudur (buddhistisch) und Prambanan (hinduistisch), zwei der größten Baudenkmäler Südostasiens.
  • Majapahit (ca. 1293–ca. 1500): ein hinduistisch-buddhistisches Reich aus Ostjava, dessen Einfluss den Großteil des heutigen Indonesien erreichte. Von seinem Hof stammt das Motto Bhinneka Tunggal Ika, und nach seinem Untergang zogen seine Eliten nach Bali, wie wir in unserer Geschichte Balis beschreiben.
  • Die Sultanate (ab dem 15.–16. Jahrhundert): Der Islam kam mit Händlern aus Indien und Arabien und wurde allmählich, ohne große Eroberungen, zum Glauben der Hafenstädte: Demak, Aceh, Ternate, Mataram.
  • VOC und Niederländisch-Indien: Die 1602 gegründete Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC) baute Batavia (das heutige Jakarta) und kontrollierte fast zwei Jahrhunderte lang den Gewürzhandel. Nach ihrem Zusammenbruch wurde der Archipel zur Kolonie des niederländischen Staates.
  • Japanische Besatzung (1942–1945): drei harte Jahre, die dennoch die koloniale Ordnung zerbrachen und die Unabhängigkeitsbewegung beschleunigten.
  • Unabhängigkeit: Am 17. August 1945 riefen Sukarno und Hatta die Unabhängigkeit Indonesiens aus. Die Niederlande erkannten sie erst Ende 1949 an, nach vier Jahren Kampf und Verhandlungen.

Zum Fundament des neuen Staates wurde Pancasila, fünf Prinzipien: der Glaube an einen Gott, Menschlichkeit, die Einheit Indonesiens, Demokratie und soziale Gerechtigkeit. Im Staatswappen steht auf einem Band, das der mythische Vogel Garuda hält, das Motto Bhinneka Tunggal Ika, Einheit in Vielfalt. Es stammt aus einem altjavanischen Gedicht der Majapahit-Zeit und beschreibt das Land bis heute am besten.

Welche Sprache spricht man in Indonesien?

Amtssprache ist Indonesisch (Bahasa Indonesia), eine Form des Malaiischen, das über Jahrhunderte die Handelssprache der Inseln war. Die Wahl war bewusst: 1928 legten junge Unabhängigkeitsaktivisten den sogenannten Jugendschwur ab und bekannten sich zu einer Heimat, einer Nation und einer Sprache. Sie wählten nicht das Javanische, obwohl es die größte Gruppe sprach; Malaiisch war neutral und einfach und bevorzugte niemanden.

Indonesisch ist heute die Sprache von Schule, Fernsehen und Behörden, doch zu Hause sprechen die meisten Indonesier die Sprache ihrer Insel oder ihrer Volksgruppe. Sprachwissenschaftler zählen etwa siebenhundert davon: Javanisch, Sundanesisch, Maduresisch, Minangkabau, Buginesisch, Balinesisch und Hunderte kleinere, vor allem in Papua. Das Balinesische kennt eigene Höflichkeitsstufen; mit einem Priester spricht man anders als mit dem Nachbarn.

Ein paar Wörter, die jedem nützen:

  • terima kasih: danke,
  • selamat pagi: guten Morgen,
  • pelan-pelan: langsam, in Ruhe; ein Wort, das das Tempo des Dorflebens gut beschreibt,
  • gotong royong: gegenseitige Hilfe, gemeinsame Arbeit für das Dorf; ein Begriff, ohne den sich die indonesische Kultur nicht verstehen lässt.

Welchen Religionen gehören die Indonesier an?

Indonesien ist kein religiöser Staat, doch das erste Prinzip der Pancasila, der Glaube an einen Gott, macht Religion zu einem Teil des Alltags. Der Staat erkennt offiziell sechs Bekenntnisse an: Islam, Protestantismus, Katholizismus, Hinduismus, Buddhismus und Konfuzianismus.

  • Der Islam wird von knapp neun von zehn Einwohnern praktiziert, die größte muslimische Gemeinschaft der Welt, überwiegend sunnitisch, traditionell gemäßigt und mit lokalen Bräuchen verwoben.
  • Das Christentum dominiert im Osten: Flores, Timor, Papua, Teile von Sulawesi und Nordsumatra (die Batak).
  • Der Hinduismus ist die Religion Balis, in einer Form, die es nirgendwo sonst gibt: mit Ahnenverehrung, Ortsgeistern und täglichen Opfergaben. Wir beschreiben sie im Artikel über den balinesischen Hinduismus.
  • Buddhismus und Konfuzianismus sind vor allem die Religionen der chinesischen Gemeinschaft, die seit Jahrhunderten auf den Inseln lebt.

In der Praxis sind die Grenzen weicher, als die Statistik vermuten lässt. Auf Java lebt die hinduistisch-buddhistische Vergangenheit im Schattentheater Wayang, in der Batik und im Kalender weiter; auf Bali leben muslimische Dörfer seit der Majapahit-Zeit neben Tempeln. Das ist Einheit in Vielfalt als gelebter Alltag, nicht nur als Losung.

Warum ist Handwerk die Wirtschaft ganzer Dörfer?

In Europa klingt Handwerk nach Hobby oder Luxus. In Indonesien ist es ein Wirtschaftszweig, der Millionen Menschen in kleinen Hauswerkstätten beschäftigt. Das Modell ist überall ähnlich: Ein Dorf oder ein Teil davon spezialisiert sich auf ein Handwerk, die Fertigkeiten gehen von den Eltern auf die Kinder über, und gearbeitet wird im Hof des Familiengehöfts, zwischen Haushalt und Tempelpflichten.

Ein paar Beispiele für diese Spezialisierung:

  • Jepara in Zentraljava, die Hauptstadt der Teakmöbel, wo seit Jahrhunderten geschnitzt und getischlert wird,
  • Yogyakarta und Solo: Batik, 2009 in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen, sowie das Silber von Kotagede,
  • Cirebon: Rattangeflecht, das in Wohnungen auf der ganzen Welt landet,
  • Sumba, Flores, Timor: Ikat-Textilien, natürlich gefärbt mit Indigo und Morinda-Wurzel,
  • Bali: eine ganze Landkarte: Mas (Holzschnitzerei), Celuk (Silber), Batubulan (Stein), Sidemen und Gelgel (Textilien), Kamasan (Malerei), Tegallalang (Flechtwerk und Dekor). Wir haben sie in unserer Karte der Handwerksdörfer zusammengetragen.

Als wir im August 2026 Werkstätten auf Bali besuchten, fiel uns eines auf: Es gab keine Fabrik. Es gab ein Haus, einen offenen Unterstand, ein paar Handwerker und Kinder, die aus der Schule kamen. Deshalb ist eine bestellte Schnitzerei oder ein Korb keine Ware aus Asien, sondern mehrere Tage Arbeit einer ganz bestimmten Familie.

Was das für die Dinge in Ihrem Zuhause bedeutet

Jedes Objekt aus Indonesien trägt dieses ganze Mosaik in sich: den Vulkanboden, in dem das Holz gewachsen ist, hinduistisch-javanische Motive, die vor sechshundert Jahren nach Bali kamen, ein Dorf, das seit Generationen eine Sache macht, und einen Menschen, der sie mit eigenen Händen gemacht hat. Wenn Sie Handwerk aus Bali oder Möbel aus Massivholz wählen, kaufen Sie weniger Exotik als Kontinuität, und in ihr, nicht im Ornament, liegt die Essenz der Insel. Jedes Ding hat ein Gesicht.

Häufige Fragen

Wie viele Inseln hat Indonesien?
Rund 17.000. Offizielle Register führen etwas mehr als 17.000 benannte Inseln, von denen einige tausend bewohnt sind. Die Zahl verschiebt sich mit der Genauigkeit der Vermessung, deshalb spricht man meist von etwa 17.000.
Ist Bali ein eigenes Land?
Nein. Bali ist eine Provinz Indonesiens, östlich von Java. Es hat allerdings eine eigene Sprache, Religion (balinesischer Hinduismus) und Kultur, weshalb es manchmal für einen eigenen Staat gehalten wird.
Welche Sprache spricht man in Indonesien, und komme ich mit Englisch zurecht?
Amtssprache ist Indonesisch, daneben gibt es mehrere hundert lokale Sprachen. In Städten und Touristenorten ist Englisch verbreitet; auf dem Land helfen ein paar indonesische Grundwörter weiter.
Welche Religion dominiert in Indonesien?
Der Islam, dem etwa 87 Prozent der Bevölkerung angehören; damit hat Indonesien die größte muslimische Bevölkerung der Welt. Bali ist die Ausnahme: Die meisten Balinesen sind Hindus.
Wann wurde Indonesien unabhängig?
Die Unabhängigkeit wurde am 17. August 1945 ausgerufen, zwei Tage nach der Kapitulation Japans. Die Niederlande erkannten die Souveränität Indonesiens im Dezember 1949 an, nach vier Jahren Kampf und Verhandlungen.

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