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Ratgeber · Indonesien & Bali

Die Geschichte Balis: von Majapahit bis heute

22. August 2026 · 9 Min. Lesezeit

Die Geschichte Balis ist die Geschichte einer Insel, die über tausend Jahre lang Einflüsse aus Java aufnahm und nach dem Untergang des hinduistischen Reiches Majapahit um 1500 zur letzten Zuflucht seiner Kultur wurde. Heute ist Bali die einzige hinduistische Provinz des überwiegend muslimischen Indonesien, und seine Tempel, Schnitzereien, Tänze und Textilien sind das direkte Erbe dieser Wanderung.

In diesem Artikel führen wir durch die wichtigsten Etappen: Vorgeschichte und die Dörfer der Bali Aga, die Ankunft des Hinduismus, den Feldzug Gajah Madas im Jahr 1343, die Epoche von Gelgel und Klungkung, die neun Königreiche, die Puputan von 1906 und 1908, die Künstler der 1930er Jahre, die Unabhängigkeit, die Geburt des Tourismus und die Herausforderungen, vor denen die Insel heute steht.

Wer lebte auf Bali, und woher kam der Hinduismus?

Die Vorfahren der heutigen Balinesen kamen vor einigen tausend Jahren im Zuge der großen austronesischen Wanderung auf die Insel und brachten Reisanbau und Metallverarbeitung mit. Das berühmteste Zeugnis dieser Zeit ist der Mond von Pejeng (Bulan Pejeng), eine riesige bronzene Kesseltrommel im Dong-Son-Stil, die bis heute in einem Tempel bei Ubud aufbewahrt wird und als eine der größten erhaltenen der Welt gilt.

Die Erinnerung an dieses vorhinduistische Bali lebt in den Dörfern der Bali Aga („ursprüngliche Balinesen") weiter, die die spätere javanische Ordnung nie übernahmen. Die bekanntesten sind Tenganan Pegringsingan im Osten, wo bis heute der Doppel-Ikat Geringsing gewebt wird, und Trunyan am Batur-See, wo die Toten nicht verbrannt, sondern unter einem heiligen Baum niedergelegt werden.

Hinduismus und Buddhismus erreichten Bali im ersten Jahrtausend auf dem Seeweg aus Indien und Java, mit Händlern und Priestern. Das älteste datierte Dokument der Insel ist die Säule von Blanjong in Sanur aus dem Jahr 914, errichtet von König Sri Kesari Warmadewa, dem ersten namentlich bekannten Herrscher Balis. Die Verbindungen nach Java waren eng: Um das Jahr 1000 heiratete König Udayana die javanische Prinzessin Mahendradatta, und ihr Sohn Airlangga wurde einer der größten Herrscher Ostjavas. Aus dieser Zeit stammen die in den Fels gehauenen Schreine von Gunung Kawi und die Höhle Goa Gajah. Der balinesische Hinduismus hatte von Anfang an einen eigenen Charakter: Er verband indische Gottheiten mit der Verehrung der Ahnen, der Berge und der Ortsgeister; wir beschreiben ihn im Artikel über den balinesischen Hinduismus.

Majapahit und das Jahr 1343: Warum wurde Bali javanisch?

Die eigentliche Wende brachte das javanische Reich Majapahit (ca. 1293–ca. 1500). 1343 führte sein berühmter erster Minister Gajah Mada einen Feldzug an, der den letzten König von Bedulu besiegte. Majapahit setzte einen eigenen Statthalter ein, Sri Kresna Kepakisan, zunächst in Samprangan, später in Gelgel beim heutigen Klungkung. Mit dem Hof kamen javanische Priester, Handwerker und Künstler, und von da an sprach Bali die kulturelle Sprache Javas.

Als Majapahit Ende des 15. Jahrhunderts unter dem Druck der islamischen Sultanate der Küste zerfiel, zog ein Teil seiner Eliten nach Bali. Die wichtigste Gestalt dieser Welle war der Priester Danghyang Nirartha, der in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts auf die Insel kam. Die Überlieferung schreibt ihm die Gründung der Meerestempel Tanah Lot und Uluwatu sowie die Einführung des Padmasana-Schreins (ein leerer Thron für den Höchsten Gott) zu. So wurde Bali zum lebendigen Archiv einer hinduistisch-javanischen Zivilisation, die auf Java selbst allmählich erlosch.

Gelgel, Klungkung und die neun Königreiche

Das goldene Zeitalter von Gelgel fiel ins 16. Jahrhundert unter Dalem Baturenggong, dessen Einfluss bis Lombok, Sumbawa und an die Ostspitze Javas reichte. Am Hof blühten Literatur, Tanz und Malerei: Das nahe Dorf Kamasan malt bis heute im Wayang-Stil jener Zeit, wie wir im Artikel über die Malerei von Kamasan beschreiben. Ende des 17. Jahrhunderts zerbrach Gelgel an einem Aufstand, und der Hof zog wenige Kilometer weiter nach Klungkung.

Der Herrscher von Klungkung, der Dewa Agung, behielt einen Ehrenvorrang, doch die tatsächliche Macht verteilte sich auf unabhängige Königreiche. Die Überlieferung nennt neun: Klungkung, Karangasem, Buleleng, Mengwi, Badung, Tabanan, Gianyar, Bangli und Jembrana. Sie konkurrierten, schlossen Bündnisse und führten Kriege; Karangasem beherrschte lange das benachbarte Lombok.

Die Niederländer, der Puputan und die Kolonie

Die ersten Niederländer unter Cornelis de Houtman erreichten Bali 1597, doch über zwei Jahrhunderte lang blieb die Insel am Rand ihres Reiches, interessant vor allem als Quelle von Sklaven und Reis. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts begannen die Niederlande mit der Eroberung: Zwischen 1846 und 1849 brachen drei Militärexpeditionen den Widerstand von Buleleng, und der Norden und Westen der Insel gerieten unter koloniale Kontrolle.

Der Süden hielt am längsten stand. 1906 marschierte die niederländische Armee unter dem Vorwand eines Streits um ein geplündertes Schiffswrack gegen Badung. Am 20. September 1906 trat der Raja von Denpasar mit Familie, Hof und Priestern in weißen Gewändern und mit Krisen bewaffnet der Militärkolonne entgegen und starb im Puputan, dem rituellen Kampf bis zum Ende. 1908 wiederholte sich dasselbe in Klungkung. Der Tod Hunderter Menschen erschütterte die Öffentlichkeit in Europa und bewog die Niederländer zu einer Politik des „Schutzes" der balinesischen Kultur, hinter der sich jedoch eine gewöhnliche Kolonialverwaltung verbarg.

Die Künstler der 1930er Jahre, Krieg und Unabhängigkeit

In den 1920er und 1930er Jahren kamen die ersten Touristen nach Bali und mit ihnen Künstler und Forscher aus Europa und Amerika. Der wichtigste war der deutsche Maler und Musiker Walter Spies, der sich 1927 in Ubud niederließ. Zusammen mit dem niederländischen Maler Rudolf Bonnet und dem Fürsten von Ubud, Cokorda Gde Agung Sukawati, gründete er 1936 die Vereinigung Pita Maha, die balinesische Maler und Schnitzer förderte und ihnen beim Verkauf ihrer Arbeiten half; mit dem Tänzer Wayan Limbak gestaltete er außerdem die heute bekannte Form des Kecak-Tanzes mit. Ubud und die Nachbardörfer, darunter Mas mit seinen Schnitzern, wurden damals zum Zentrum der Künste, das sie bis heute geblieben sind, und damals entstand auch das Bild Balis als „letztes Paradies", teils wahr, teils erfunden, aber erstaunlich langlebig.

Die japanische Besatzung 1942–1945 brachte Hunger und Repression. Nach der Ausrufung der Unabhängigkeit Indonesiens am 17. August 1945 versuchten die Niederländer, die Insel zurückzuerobern; zum Symbol des balinesischen Widerstands wurde Oberstleutnant I Gusti Ngurah Rai, der am 20. November 1946 mit seiner gesamten Einheit in der Schlacht von Marga fiel und dessen Namen heute der internationale Flughafen trägt. Die Niederlande erkannten die Souveränität Indonesiens Ende 1949 an, und 1958 wurde Bali eine eigene Provinz.

Die ersten Jahrzehnte der Unabhängigkeit waren nicht leicht: 1963, während der großen Zeremonie Eka Dasa Rudra in Pura Besakih, brach der Vulkan Agung aus und tötete mehr als tausend Menschen, und zwei Jahre später erfasste eine Welle politischer Gewalt, die durch ganz Indonesien ging, auch die Insel und forderte auf Bali Zehntausende Opfer.

Tourismus seit den 1970er Jahren und Bali heute

Die Öffnung des Flughafens von Denpasar für internationale Flüge Ende der 1960er Jahre veränderte alles. In den 1970er Jahren entdeckten Surfer und Rucksackreisende den Strand von Kuta, während Ubud jene anzog, die Kunst und Ruhe suchten. Die Regierung baute in Nusa Dua eine Hotelzone, und das Handwerk, Schnitzerei, Silber und Textilien, wurde aus einem Dienst für Tempel und Hof zur Wirtschaft ganzer Dörfer.

Die Bombenanschläge in Kuta am 12. Oktober 2002, bei denen 202 Menschen starben, und weitere Anschläge 2005 zeigten, wie sehr die Insel vom Tourismus abhängt und wie sie sich nach jeder Krise erholt, so wie nach dem Vulkan und nach der Pandemie.

DatumEreignis
914Säule von Blanjong in Sanur, die älteste datierte Inschrift Balis
1343Feldzug Gajah Madas; Bali unter der Herrschaft von Majapahit
ca. 1500Untergang von Majapahit; Wanderung der javanischen Eliten nach Bali
16. JahrhundertGoldenes Zeitalter von Gelgel; Ankunft des Priesters Nirartha
1906 / 1908Puputan in Badung und Klungkung; die ganze Insel unter niederländischer Kontrolle
1927–1936Walter Spies in Ubud; Gründung von Pita Maha
1945–1949Ausrufung der Unabhängigkeit; Schlacht von Marga (1946); Anerkennung der Souveränität
1963Ausbruch des Vulkans Agung
2002Anschläge in Kuta
2012Das Subak-System auf der UNESCO-Liste

Heute leben mehr als vier Millionen Menschen auf Bali, und vor der Pandemie kamen jedes Jahr mehrere Millionen Gäste aus dem Ausland. Neben dem Tourismus bleibt das Handwerk eine Säule der Wirtschaft: Mas schnitzt, Celuk schmiedet Silber, Sidemen und Gelgel weben, Kamasan malt. Die Herausforderungen sind jedoch ernst: Wassermangel, Plastik, Staus, bebaute Reisfelder und die Frage, wie viele Gäste die Insel aufnehmen kann, ohne das zu verlieren, weswegen die Menschen kommen.

Was das für die Dinge in Ihrem Zuhause bedeutet

Als wir im August 2026 Werkstätten in Mas, Batubulan und Kamasan besuchten, war diese ganze Geschichte zum Greifen nah: Motive aus javanischen Epen in den Schnitzereien, der Malstil des Hofes von Gelgel, steinerne Wächter wie an den Tempeltoren. Skulpturen und Figuren aus Bali sind daher keine Souvenirs der letzten Tourismusjahrzehnte, sondern die Fortsetzung einer Tradition, die den Untergang von Majapahit, Eroberung und Kriege überstanden hat. Alles beginnt mit Neugier, und die Geschichte der Insel ist der beste Weg zu verstehen, was Sie eigentlich ins Regal stellen.

Häufige Fragen

Wann wurde Bali hinduistisch?
Hinduismus und Buddhismus erreichten Bali allmählich im ersten Jahrtausend. Die älteste datierte Inschrift der Insel stammt aus dem Jahr 914; entscheidend waren die Unterwerfung Balis durch das javanische Majapahit 1343 und die spätere Wanderung der javanischen Eliten um 1500.
Was war ein Puputan?
Ein Puputan (wörtlich „Ende") war ein ritueller Kampf bis zum Tod, in dem ein balinesischer Hof lieber starb, als sich zu ergeben. Die bekanntesten Puputan fanden 1906 in Badung und 1908 in Klungkung statt, während der niederländischen Eroberung des Südens der Insel.
Warum ist Bali hinduistisch, wenn Indonesien muslimisch ist?
Als Java im 15. und 16. Jahrhundert den Islam annahm, zogen die hinduistischen Eliten des zerfallenden Majapahit nach Bali und bewahrten dort Religion und Kultur. Die Insel blieb über die folgenden Jahrhunderte hinduistisch und ist heute die einzige solche Provinz Indonesiens.
Wer war Walter Spies?
Walter Spies war ein deutscher Maler und Musiker, der sich 1927 in Ubud niederließ. Er war Mitbegründer der Künstlervereinigung Pita Maha (1936), förderte balinesische Maler und Schnitzer und prägte weitgehend das Bild Balis, das wir aus westlicher Kunst und Literatur kennen.
Seit wann ist Bali bei Touristen beliebt?
Die ersten Touristen kamen bereits in den 1920er und 1930er Jahren, doch der Massentourismus begann nach der Öffnung des Flughafens für internationale Flüge Ende der 1960er Jahre. In den 1970er Jahren wurden Kuta und Ubud zu Reisezielen, und seither ist der Tourismus die wichtigste Säule der Inselwirtschaft.

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